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05.11.2018 | Martin H.

Ilztalschüler erkundeten die Demokratie

„Demokratie – Was ist das überhaupt?“ und viele andere Schülerfragen wurden in der Sekundarstufe der Ilztalschule vor der Landtagswahl im Projektunterricht gestellt. Eine gesamte Woche stand im Zeichen von Demokratie und Wahlen. Die Schüler der Klassen 5 bis 7 hatten dazu auch die älteren Grundschüler eingeladen. Zu Beginn aktivierten alle ihr Vorwissen und sammelten Begriffe zum Thema Wahlen. Dann erarbeiteten sich die Schüler an verschiedenen Stationen ein Basiswissen zu den politischen Spielregeln. Was ist der Landtag? Warum soll man wählen gehen? Warum hat man zwei Stimmen? Wie wird man Ministerpräsident, also Chef von Bayern? Bei den Stationen gab es Pflicht-, Wahl- und Kür-Aufgaben, sodass jeder nach seinem Tempo und seinen Interessen forschen konnte. Alle Ergebnisse von Arbeitsblättern über Mindmaps bis hin zu Zeichnungen wurden in einem kleinen Arbeitsgeheft festgehalten. Als Stationen gab es beispielsweise Erklärvideos von Explainity auf Youtube, zu denen handschriftlich Verständnisfragen  beantwortet werden sollten; oder ein Quiz zum bayerischen Landtag, für das man zuvor eine kleine Broschüre durchlesen musste.

„Am besten hat mir der wahlswiper.de gefallen“, berichtet die 13-jährige Helene, „das war eine Homepage, bei der man wichtige Fragen der Politik mit Ja oder Nein beantworten konnte. Wenn man keine Ahnung hatte, gabs ein kurzes Erklärvideo. Und am Ende konnte man dann sehen, inwiefern die Partei so ähnlich denken wie man selber. Mir hat das gezeigt, mit wie viel schwierigen Themen man sich beschäftigen muss, damit man richtig wählen kann.“

Mit viel Fleiß erkundeten die Jugendlichen dieses Terrain der Erwachsenen in der Theorie. Doch mit noch mehr Motivation stürzten sie sich dann auf die Praxis: Die Lerngruppe wollte selbst Wahlen abhalten, also gestaltete man mit den beiden Lehrern Jonas Klug und Martin Hammerer ein Planspiel „Ilztalschul-Wahl“. Die Nachwuchsdemokraten teilten sich auf in neutrale Wahl-Manager, kritische Presse und vier Parteien. Dann galt es Politik zu machen. Die Parteien formulierten Namen, Slogans und Programme. Die Presse berichtete über Meinungen und Wahlkampf-Skandale. Und die Manager planten die abschließende Wahlveranstaltung am Freitag, wofür sie nicht nur Wahlzettel am PC gestalteten, sondern auch eine Urne organisierten und den Raum vorbereiteten.

Große Aufregung herrschte in diesen Tagen oft in den Zwischenstunden und Pausen, wenn Wahlslogans skandiert wurden, Luftballone und Muffins als Wahlgeschenke verteilt wurden oder das gesamte Schulhaus mit kreativen Plakaten versehen wurde. Die Presse deckte dabei den Skandal auf, dass mehrere Parteien unverhältnismäßig viel Papier und Gummiballons einsetzte und so angeblich die Umwelt schädige. Alle Phänomene echter Wahlen konnte man hier wiederfinden, doch am Ende sollten nicht die Werbetricks, sondern Kreativität und Sachverstand siegen.

Ziel war die Wahl eines der vier Spitzenkandidaten durch alle Schüler der Ilztalschule von der 1. bis zur 7. Klasse – und auch die Lehrer durften gleichberechtigt mitwählen. Zuvor sollte eine Art TV-Duell auf der schuleigenen Bühne stattfinden. Die Kandidaten mussten drei bekannte Fragen beantworten: Wie soll das 10-jährige Jubiläum der Ilztalschule 2020 gefeiert werden? Wie würden sie den Schulhof und -garten nach dem Umbau gestalten? Und was würde ihre Schülerpartei mit 1.000€ anstellen?  Nach dieser Runde hatte jede Partei noch einmal 100 Sekunden Zeit, ihre ganz speziellen Meinungen und Wahlversprechen den Wählern zu vermitteln. Hier zeigten sich rhetorische Talente und es gab es auch eine große Kontroverse zwischen Naturnähe und Technikbegeisterung.

Nach dem Duell wurden die Schüler nacheinander an die Wahlurne gebeten, während der Rest im Kreis musizierte. Den kleinsten wurde noch beim Lesen der Wahlzettel geholfen. Alle waren mächtig stolz und fühlten sich ernstgenommen. Das Ergebnis wurde gleich im Anschluss durch die neutralen Wahl-Manager ausgezählt, jedoch noch bis zum gemeinsamen Wochenbeginn am darauffolgenden Montag geheim gehalten. Am Ende lernten alle, dass zur Demokratie vor allem das Zusammenarbeiten und Einigen gehört. Und obwohl es nur als Planspiel gedacht war, entstanden so viele gute Ideen und so viel Engagement, dass sich alle einig waren, diesen engagierten Geist der Demokratie im Alltag und in kommenden Projekten weiterzutragen.