Leistungskultur an der Ilztalschule

Die Basis - Eine notenfreie Lernumgebung

Wir verwenden keine vergleichenden und zeitgleichen Tests. Uns ist wichtig, dass die Kinder intrinsisch motiviert lernen, ohne Angst vor Versagen und Leistungsdruck. Individuelle Tests, z. B. die der Lernkarte, dienen rein der diagnostischen Funktion. Sie zeigen, ob das Kind den Lerninhalt schon sicher beherrscht, oder ob es in Teilbereichen noch üben muss. Die Tests können jederzeit wiederholt werden und werden keinem Notenvergabesystem zugeordnet.

Individuelle Ziele

Auch im Bereich der Selbstorganisation versuchen wir zu individualisieren: Kinder, die mit der freien Wahl der Materialien anfangs Schwierigkeiten haben, erhalten Arbeitspläne und Zielvereinbarungen in einem festgelegten Zeitraum. Diese Lernpläne werden mit den Kindern gemeinsam erstellt, mit dem Ziel, dass diese Initiative immer mehr vom Kind ausgeht. Ganz konkret bestimmt man mit dem jeweiligen Kind 3 Ziele für jedes Fach, damit es einen Arbeitsplan für die Freiarbeit hat. Danach werden diese Ziele im gemeinsamen Gespräch reflektiert. Für andere Kinder wären diese Zielvereinbarungen wieder kontraproduktiv. Sie tragen einen inneren Bauplan bereits in sich und wissen genau, welches Angebot gerade zu ihrem Lernstand passt oder finden das selbst mit Hilfe der Lernkarte heraus.

Täglich lassen die Kinder im Tagesrückblick ihren „Arbeitstag“ Revue passieren und beurteilen, ob sie mit ihrer Leistung zufrieden sind. Bei manchen Kindern erscheint es sinnvoll, am nächsten Tag diesen Rückblick nochmals zu besprechen.

Schülerin beim Tagesrückblick

Reflexion der Lehrer

Es findet täglich am Nachmittag eine gemeinsame Reflexion von uns Lehrern statt. Dies ist zwar sehr zeitaufwändig, ist aber unserer Meinung nach eine essentielle Voraussetzung dafür, dass Kinder individualisierend lernen können, und zwar qualitätsvoll und zielgerichtet.

Die einzelnen Beobachtungen des Vormittages (Lerninhalt und Arbeitsweise jedes Kindes) werden von uns zusammengetragen und schriftlich fixiert. Daraus ergeben sich individuelle Förderschwerpunkte für jedes Kind (zum Beispiel das Thema Auslautverhärtung). Diese Liste wird ausgedruckt, um sie auch unseren ErzieherInnen zugänglich zu machen. Aus dieser Reflexionsphase ergeben sich die Materialangebote/ Präsentationen für den Folgetag.

Reflexion der Lehrer

Die Beobachtung der Kinder

Unser wichtigstes diagnostisches Verfahren ist die Beobachtung der Kinder während der Freiarbeit. Weil die Aktivität vom Lehrer weg auf die Kinder hin verlagert wird, haben wir PädagogInnen diese kostbare Zeit, in denen wir Kinder beim Arbeiten mit Materialien beobachten können. Unsere Beobachtungen tragen wir in einen Tablet-PC ein, so dass wir uns gleichzeitig die Nachmittagsreflexion erleichtern. Bezeichnend für gutes Freiarbeitsmaterial ist die Isolation einer Schwierigkeit. Bei der Beobachtung eines Kindes können so exakte Kenntnisse über den Lernstand des Kindes bei genau diesem Lerninhalt gewonnen werden (Zum Beispiel zeigt die Arbeit eines Kindes mit den goldenen Perlen, wie das Kind im Dezimalsystem operiert.). Zusätzlich werden viele Basiskompetenzen sichtbar (wie Organisation des Arbeitsplatzes, Konzentrationsfähigkeit, Arbeitshaltung usw.)

Objektive Tests: "Checker"

Zusätzlich können sich Kinder kleinen Tests unterziehen (sog. „Checker“). Diese stehen zu jedem Lernziel der Lernkarte bereit. Hat zum Beispiel ein Kind für sich das Lernziel „Schriftlich Plus Rechnen“ erarbeitet, schreibt es einen Test dazu. Hat es den Test bestanden, kann es sich ein neues Lernziel auf der Lernkarte aussuchen. Hat das Kind noch zu viele Fehler, wiederholt und übt das Kind die entsprechenden defizitären Lerninhalte und probiert dann erneut den Test. So können die Kinder nebenbei ein Gespür für ihr eigenes Lernverhalten entwickeln: Kann ich den Inhalt wirklich, habe ich mich nur oberflächlich damit beschäftigt oder bräuchte ich noch mehr Übungen? Die „Checker“ geben ihnen ein objektives Feedback.

Schülerin beim Checker-Test

Zwei Schüler beim Checker-Test