Kultur der Wertschätzung

Individuum und Gemeinschaft

Die persönliche Entwicklung geht zwar von einem Einzelnen aus, kann sich aber nicht ohne ein Umfeld vollziehen. Dieser Beziehungsraum mit anderen kann erst den Einzelnen in Erscheinung bringen. Sich entwickeln heißt also sich mit anderen in Beziehung setzen.

Ein wertschätzendes Umfeld erhöht die Chance, dass Kinder und Jugendliche das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit im Beziehungsraum einer Gemeinschaft entwickeln und dadurch bereit sind, sich Herausforderungen zu stellen und etwas zu leisten. Aber auch die Reibung mit anderen birgt die Möglichkeit, sich persönlich zu hinterfragen und weiter zu entwickeln.

Inklusion für Alle - es ist normal, verschieden zu sein

Wir verzichten bewusst auf die Kategorien „Behinderung“, „Normal“ oder „Hochbegabung“, weil…

  • in unserer vielfältigen Lernumgebung jeder Lerner auf seinem individuellen Leistungsniveau lernen darf. Daher erübrigen sich bei uns kategorisierende Einteilungen, wie z.B. „6.-Klässler“.
    Kategorisierungen greifen bei einzelnen Schülern immer zu kurz, dadurch stehen Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit auf dem Spiel. Kurz: Jeder Mensch hat ein Recht auf seinen individuellen Bildungsprozess.
  • ein gelingendes gemeinschaftliches Miteinander, das Schüler nicht in eine Abhängigkeit von den „bewertenden Lehrern“ zwingt und jedem Schüler erlaubt, sich frei entfalten zu können, ohne sich ständig mit anderen in Konkurrenz setzen zu müssen.
  • je verschiedener die zusammen lebenden und lernenden Schüler und Lehrer sind und je mehr Altersstufen und Leistungsmilieus auf verschiedenen Gebieten vertreten sind, desto bereichernder sind die Lernanlässe.

Jeder Mensch bringt andere Besonderheiten mit, und weil sich in einer unendlichen Fülle von Eigenschaften alle von allen unverkennbar unterscheiden, ist es normal anders zu sein. Die Ilztalschule für alle versteht sich als Gemeinschaft Verschiedener. 

Emanzipation / Mündigkeit / Ermächtigung

Ziel jeder Entwicklung ist die Emanzipation. Emanzipation findet im Wechselverhältnis von Individuum und Gemeinschaft statt. Emanzipation ist nicht nur der reine Zugewinn von Freiheit sondern erfordert die Akzeptanz anderer Akteure.

Aufgabe der Ilztalschule ist es, ein Umfeld bereit zu stellen, welches Kinder und Jugendliche herausfordert und unterstützt, Gestaltungsspielräume und Ressourcen wahrzunehmen, um ihr persönlich erreichbares Maß an Autonomie und Selbstverantwortung zu erreichen.

Demokratie

Demokratie soll in der Ilztalschule nicht nur als Lern- und Erziehungsziel gelehrt werden, sondern unmittelbar erlebt werden. Die Ilztalschule begreift sich als fortlaufend veränderbar, so dass Entscheidungen, die das Zusammenleben aller an der Schule Beteiligten betreffen von allen partizipativ ausgehandelt werden. Schüler erfahren sich dadurch selbstwirksam und lernen, ihre Bedürfnisse und Ideen zur Sprache zu bringen und auch Verantwortung dafür zu übernehmen.

Dies betrifft auch schulexterne, nationale und globale Ereignisse, die beim wöchentlichen Nachrichtendienst verfolgt werden. Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler zu selbstbewussten, engagierten und emanzipierten Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen.

Altersmischung

Da wir uns bereits in der Grundstufe davon verabschiedet haben, dass ein Kind in einer bestimmten Klasse einen bestimmten Entwicklungsstand erreichen muss, und diesen nicht unter- bzw. überschreiten dar, leben und lernen auch die Kinder und Jugendlichen der Sekundarstufe in altersgemischten Gruppen.

Altersmischung ermöglicht ein Voneinander- Lernen, ermöglicht ein Lernen mit unterschiedlich alten Lernpartnern (passend zum Leistungsstand nicht zur Jahrgangsstufe) und ermöglicht jedes Schuljahr ein neu gemischtes Sozialgefüge. Neue Schülerinnen und Schüler finden in der Gruppe eine bestehende Kultur des Zusammenlebens vor.